Stockholm (S) * 2002 * Kulturhuset, Den allmänna Opinionen * 5 Wochen

Zwei Wochen vor den offiziellen wurden im Zentrum Stockholms fiktive Parlamentswahlen durchgeführt. In einem extra eingerichteten Wahllabor konnten über 1000 Wahlberechtigte ihre Stimme für und gegen eine Partei, also positiv oder negativ, abgeben. Daraus ergaben sich interessante Ergebnisse, die gleichzeitig Anregungen für eine Verbesserung der derzeit gehandhabten Wahlordnungen enthalten.
Während der Vorbereitungen in Stockholm starb völlig unerwartet Pascale Jeannée an einer Herzmuskelentzündung. Sie war das Zentrum der Gruppe und hatte an allen Projekten seit 1995 mitgearbeitet.


Zweifelsohne ist die einfache Stimmabgabe "für" eine Partei, wie das überall auf der Welt üblich ist, ein sehr grobes Verfahren, um die Absichten einer Population optimal zu erkunden. Differenzierte Meinungen, wie zum Beispiel "ich wäre für eine Partei, wenn..." oder „ich weiß nicht für welche Partei ich bin, aber sehr wohl gegen welche..“, finden keinen Eingang in die gängigen Abstimmungsmodalitäten.
In den Wochen vor der schwedischen Parlamentswahl 2002 wurden wahlberechtigte SchwedInnen in ein - von der Gruppe eingerichtetes - Wahllabor mitten im Zentrum Stockholms gebeten. Sie sollten „probewählen“ und damit veranschaulichen, wie sich Ergebnisse ändern, wenn nach unterschiedlichen Modalitäten gewählt wird.

Bei diesem Experiment konnte nach dem üblichen Modus die Stimme für eine gewünschte Partei abgegeben werden, - darüber hinaus aber auch eine zweite Stimme gegen eine Partei. Und schließlich sollten die Probanden auf dem Stimmzettel noch ankreuzen, ob sie lieber positiv oder negativ wählen würden.

Aus diesen drei Fragen ließen sich vier Resultate ablesen:
* ein Wahlergebnis nach dem traditionellen Wahlverfahren
* ein Ergebnis aufgrund der negativen Stimmabgabe
* ein Ergebnis für den Fall, dass es erlaubt wäre, zwei Stimmen, eine positive und eine negative abzugeben
* ein Ergebnis für den Fall, dass es erlaubt wäre, positiv oder negativ zu wählen, wobei die Wählberechtigten selbst entscheiden dürften, ob sie ihre Stimme lieber für oder gegen eine Partei abgeben

Siehe: ERGEBNISSE


Bereits nach wenigen Tagen hatten sich über 1000 Wahlberechtigte an dem Experiment beteiligt. Auch der Parteichef der Kristdemokraten Alf Svensson und die Chefin der linken Vänsterpartiet Gudrun Schymen, sowie die amtierende Kulturministerin Maritta Ulvskog hatten im Wahllabor ihre Stimmen abgegeben und danach in Pressegesprächen ihre Kritik am gegenwärtigen Wahlsystem geäußert.
Im Ergebnis zeigten sich die erwarteten Unterschiede. Mit einem traditionellen Modus hätten die Sozialdemokraten gewonnen. Wären Parteien abgewählt worden, wäre aus den Wahlen die Zentrumspartei als Sieger hervorgegangen, weil sie die wenigsten Gegenstimmen bekommen hätte. Hätten die WählerInnen hingegen die Möglichkeit gehabt, bei den Reichstagswahlen zwei Stimmen abzugeben, je eine positive und eine negative, hätten nach Auszählung der ersten 1000 Wahlkarten die Grünen die Wahlen für sich entschieden. Und zuletzt: Wenn sich die SchwedInnen aussuchen könnten, ob sie lieber positiv oder negativ wählen, dann wäre es zu einem Sieg der Vänsterpartei gekommen. Das Wahllabor zeigte außerdem, dass ein Drittel der wahlberechtigten SchwedInnen lieber abwählen als wählen würde.

Das Experiment beweist, dass noch Verbesserungen anstehen, um ein differenziertes Bild davon zu bekommen, wie die WählerInnen wirklich politisch vertreten werden wollen.


Das Projekt widmet die WochenKlausur mit großem Respekt und unendlicher Traurigkeit Pascale Jeannée, die an allen Projekten seit ihrem Beitritt 1995 mitgearbeitet hat. Sie war das Zentrum der Gruppe. Bei der Vorbereitung zum Projekt starb sie völlig unerwartet an einer Herzmuskelentzündung auf einem Friedhof in Stockholm.
Pascale Jeannée, Barbara Dirnberger, Liv Fjellander, Herbert Gnauer, Erik Rosshagen, Karl Seiringer, Wolfgang Zinggl