Traiskirchen (A) * 2021 * Ausschuss für Kulturinitiativen * 10 Wochen

Auf Einladung des Kulturamts der Stadt Traiskirchen hat es sich die WochenKlausur bei diesem Projekt zur Aufgabe gemacht, ein Netzwerk renommierter Persönlichkeiten mit Fluchterfahrung zu etablieren. Es soll die Anliegen weniger gut situierter Neuankömmlinge in Österreich vertreten und in spezifischen Problemfällen intervenieren.


In vielen Gesprächen mit der WochenKlausur wiesen NGOs darauf hin, dass Flüchtlinge in Österreich keine organisierte Selbstvertretung hatten. Also begab sich die Gruppe auf die Suche nach ehemaligen, mittlerweile gut etablierten Flüchtlingen und tatsächlich waren 32 bereit, ein Netzwerk als Verein zu konstituieren. Sie sind unterschiedlich alt, kommen ursprünglich aus zwölf verschiedenen Ländern und arbeiten in unterschiedlichen Berufen als Thaiboxer oder Kinderärztin, als Journalistin oder Schriftsteller. Für die Koordination konnte eine erste finanzielle Unterstützung der Stadt Wien (MA17) erwirkt werden und nun hilft dieser Verein „Ariadne - Wir Flüchtlinge für Österreich“ den Neuankömmlingen mit seinen Kontakten, Erfahrungen und Kompetenzen. Manchmal fehlt es nur an wenigem, um in der neuen Heimat ein Leben in Würde zu finden. Hindernisse verhindern das Erreichen dieses Zieles und sind oft der Grund für mangelnde Integration. Das Netz „Ariadne - Wir Flüchtlinge für Österreich“ hilft Neuankömmlingen mit Kontakten, Erfahrung und Kompetenz. Findet ein Tischler aus Somalia zum Beispiel keine Anstellung, weil hierorts andere Techniken zum Einsatz kommen, kann ein Stipendium helfen, seine handwerkliche Erfahrung einzubringen und zu erweitern. Hat eine Studentin aus Afghanistan Probleme bei der Nostrifizierung ihrer medizinischen Vorkenntnisse, lassen sich die Dokumente vielleicht nach anderen Kriterien sortieren.

Ariadne meldet sich auch politisch zu Wort und korrigiert das öffentliche Bild zu Flucht und Geflüchteten. Nicht parteipolitisch, sondern in Vertretung von Menschen, die ohnmächtig sind, ihre Anliegen zu kommunizieren. Thematisch geht es dabei weniger um Erfahrungen, die viele von ihnen trotz unterschiedlichem Hintergrund gemeinsamen gemacht haben: Entwurzelung, Anfeindungen, Heimweh. Zweifelsfrei ist Empathie ein Schritt zur politischen Bewusstseinsbildung und Ariadne sucht nach Verständnis für diese Erfahrungen. Allerdings ist die Suche so erfolgversprechend wie das christliche Gebot zur Nächstenliebe. Aber die scheinbar individuellen Probleme von Mohamed oder Amara sind nicht allein ihre Probleme. Es sind die Probleme von Millionen Menschen in Österreich. Auf die eine oder andere Art haben sie alle schon Ausgrenzung erfahren. Die Gesellschaft ist selten harmonisch, vernünftig und aufgeklärt. Eher gleicht sie einem Schlachtfeld der Selbstbehauptungen. Selbstbewusst kämpft Ariadne für die Sichtbarkeit geflüchteter Menschen.



Claudia Eipeldauer, Karin Gruber, Kilian Hanappi, Bettina Wagner, Wolfgang Zinggl